Lange verlief die Preisentwicklung am Goldmarkt zäh. Das Edelmetall bewegt sich seit Monaten unter größeren Schwankungen seitwärts. Inzwischen wurden bereits vermehrt Stimmen laut, der sichere Hafen habe seinen Status als Fluchtwährung verloren, denn die Nachrichtenlage zu Banken- und Staatsschuldenkrise ließen, entgegen der gezeigten Entwicklung, grundsätzlich auf steigende Goldkurse schließen.
Am vergangenen Freitag hat sich Gold dann aber rasant von seinem erneut eingeschlagenen Negativkurs befreit. Mit dem größten Tagesgewinn seit rund drei Jahren ging es deutlich – um mehr als 80 US-Dollar je Feinunze – nach oben. Ursache waren jüngste Daten zum Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten. Es wurden deutlich weniger neue Jobs geschaffen als erwartet, wodurch die Sorge um eine lahmende Konjunktur wieder erwacht ist. Da jedoch zugleich auch die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Unterstützung durch die FED größer wird, gehörte Gold am vergangenen Freitag zu den größten Profiteuren.
Der Wochenbeginn verlief dann erneut etwas ruhiger. Grund hierfür ist zum einen der geschlossene Handel in London, einem der größten Handelsplätze für Gold, aufgrund der zweitägigen Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der Queen. Zum anderen spielen aber sicherlich auch Gewinnmitnahmen eine Rolle, da gerade kurzfristig orientierte Händler nach dem Preisanstieg bereits wieder Kasse machen wollten.
Unsichere Faktoren drängen Anleger in sichere Investments
Die Suche nach Sicherheit ist offensichtlich. Zu viele unklare Faktoren beherrschen den Markt. Gefragt waren neben Gold vor allem Staatsanleihen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die Renditen für zehnjährige Bonds notieren jeweils auf Rekordtiefs. Für US-Anleihen wurden 1,5% unterschritten, für Anleihen der Bundesrepublik sogar 1,15%. Gleichzeitig verlieren auch die Aktienmärkte heftig. Investoren ziehen risikobehaftetes Kapital ab. Derzeit scheint Gold damit auch wieder verstärkt als Absicherung interessant zu werden, da die negative Korrelation zu anderen Märkten zunimmt.
Auch an den Devisenmärkten herrscht ordentlich Bewegung. Der Euro gerät immer weiter unter Druck, da die europäische Schuldenkrise belastet. Allen voran müssen die Probleme in Spanien schnell unter Kontrolle gebracht werden, um eine weitere Abschwächung zu verhindern. Die Augen sind daher auf die morgige Sitzung der EZB gerichtet. Eine Zinssenkung kann nicht erwartet werden, dennoch wird man sehr kritisch auf mögliche Signale für die kommenden Monate achten.
Dann stehen natürlich auch die Wahlen in Griechenland an. Der Ausgang am 17. Juni kann durchaus als Richtungsentscheidung in Europa betrachtet werden. Sollten sich die linksgerichteten Parteien durchsetzen, stehen die geforderten Sparmaßnahmen auf der Kippe und ein Ausstieg des Landes aus der Währungsunion wird so unausweichlich. Auch auf China wirft der Markt ein Auge. Die Wirtschaft kommt weiterhin nicht richtig in Gang und Sorgen um eine längere Konjunkturflaute im Reich der Mitte machen die Runde. Die Rohstoffpreise spiegeln die Konjunktursorgen bereits wider. Insbesondere der Rückgang des Ölpreises macht deutlich, dass die Erwartungen der globalen Wirtschaftsentwicklung zurückgeschraubt werden.
Fazit: Für Goldanleger scheint sich das Vertrauen in das Edelmetall damit weiter auszuzahlen. Gerade das Interesse physischer Anleger war auch in vergangenen Phasen schwächerer Preisentwicklung anhaltend hoch. Kursrücksetzer wurden zum Ausbau der eigenen Bestände an Barren und Münzen genutzt. Mit der nun gestarteten Auswärtsbewegung bei Gold kann sich diese Strategie damit bereits in Kürze als äußerst lukrativ erweisen.





Pingback: Gold vor EZB-Zinsentscheid: Geht die Preisrallye weiter? | Ophirum News