Wahrscheinlich gab es bisher noch keinen Zeitpunkt an dem der Reiz des Goldes größer war. Bedingt durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sei es in Europa, den USA oder Asien, erfährt das gelbe Metall einen noch nie erlebten Nachfrageboom. Die Vereinigten Staaten und Europa erfahren gerade die Konsequenzen eines jahrzehntelangen „auf Pump“-finanzierten Wachstums, während die Wirtschaft in China überzukochen droht. Und so dominiert die Verunsicherung die Finanzmärkte. Profitieren kann hiervon fast ausschließlich der Goldpreis.
Nach den lebhaften letzten Wochen, mit immensen Wertsteigerungen, neuen Kursrekorden und anschließenden Preisrückgängen, scheint der Goldpreis sich zu Beginn dieser Woche etwas zu stabilisieren. Mit 1.912,00 USD übersprang der Kurs für Gold im fortlaufenden Handel erstmals die wichtige 1.900 USD-Marke. In der Londoner Kursfixierung erreichte der Goldpreis seine neue Höchstnotierung bei 1.886,50 USD / 1.301,75 EUR (London A.M. Fixing, 23.08.2011). Nach dem Kursfeuerwerk, gestartet waren wir in den Monat August mit einer Notierung von 1.613,50 USD (London A.M. Fixing, 01.08.2011), kam die Ernüchterung. Innerhalb von zwei Tagen gab der Preis mehr als 170 USD nach. Erst danach beruhigte sich der Markt und stabilisierte sich bei einem Preisniveau um 1.800 USD.
Europa und Amerika droht eine neue Rezession
Auf beiden Seiten des Atlantiks fiel das Wirtschaftswachstum schwächer aus als erwartet. Wuchs Deutschland im vergangenen zweiten Quartal lediglich noch um 0,1%, ist die Situation in den USA nicht weniger dramatisch: Nur 0,9% Wachstum im ersten Halbjahr 2011. Und die Aussichten sind nicht besser. Eine erdrückende Schuldenlast, schlechte Arbeits- und Immobilienmarktdaten, all dies sind Gründe für eine anhaltende und schmerzhafte Rezession.
Während nun in Europa die EZB angefangen hat sich als europäische Badbank zu positionieren, indem sie griechische Staatsanleihen kauft, zieht die Schuldenkrise immer weitere Kreise. Die Einigung Deutschlands und Frankreichs auf eine europäische Wirtschafsregierung, neue Sparpakete und Diskussionen um Schuldenbremsen – all dies scheint die Ansteckungsgefahr der Schuldenkrise nicht zu verringern. Mittlerweile sind auch Frankreichs Staatsverbindlichkeiten von einer Herabstufung durch die Ratingagenturen bedroht. Sollte dies Realität werden, könnte es ein Beben im europäischen Finanzsektor auslösen dessen Folgen unabsehbar sind.
Die Reaktion in den USA auf die schlechten Wachstumszahlen ist eine alt bekannte: wieder einmal laufen die Notenpressen heiß. Geplagt werden die USA von der Herabstufung der eigenen Staatsanleihen, einem schwacher Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 9,1%, einem schwachen Immobilienmarkt und höheren Inflationsraten (Verbraucherpreise im Juli: +3,6% im Vergleich zum Vorjahr). Ist hier die Rezession bereits angekommen? Die US-Notenbank Fed machte auf jeden Fall klar, dass das aktuelle Zinsniveau nahe 0% bis Mitte 2013 gehalten werden soll. Ein weiteres Liquiditätsprogramm schloss Ben Bernanke, Chef der Fed, aber (vorerst) noch aus.
Die Hoffnungen ruhen auf Asien
Wenn es in den letzten Jahren eine Region gab, welche mit guten Wachstumszahlenglänzen konnte, dann war es Asien. Genauer gesagt: China. Doch auch dem Reich der Mitte werden aktuell die Grenzen des Wachstums aufgezeigt. Die nicht zu bändigende Inflation treibt immer mehr Anleger in den sicheren Hafen Gold und regt Bestrebungen der Zentralregierung an das Wachstum zu bremsen.
Fazit:
Die Veränderungen der wirtschaftlichen Lage spiegeln sich auch im Anlageverhalten der Marktteilnehmer. Der Fokus vieler Anleger verschiebt sich immer mehr auf den Aspekt der Vermögenssicherung. Risiko wird verschmäht, Gold wird bevorzugt.
Getrieben wird diese Entwicklung von den negativen Wirtschaftsaussichten in Europa und den USA und den höheren Inflationsraten in China. Berücksichtigt man dabei auch noch das Risiko weiterer Kreditwürdigkeitsherabstufungen, dies- und jenseits des großen Teichs, ist das Verhalten durchaus nachvollziehbar. Sollte die Situation in den Euroländern tatsächlich eskalieren und eine europäische Finanzkrise sich auch nur andeuten, oder sollten die Federal Reserve ein erneutes Liquiditätsprogramm bekannt geben, werden noch mehr Anleger dem Reiz des Goldes erliegen.
Die Zeichen für weitere Bewegungen nach oben für den Goldpreis sind also vorhanden. Geht es nach den letzten Kurskorrekturen jetzt noch darum eine Basis für den Goldpreis zu finden, wird in einer nächsten Welle auch die psychologisch äußerst wichtige Marke von 2.000 USD je Feinunze Gold durchbrochen werden.




