Der Goldpreis schafft es derzeit nicht aus der Handelsspanne zwischen 1.600 und 1.700 USD auszubrechen. Auch seit dem letzten Ophirum Goldbericht wurde ein erneuter Versuch unternommen, welcher jedoch mit den einsetzenden Kursrückgängen seit Monatsbeginn scheiterte.
Auch wenn sich die Veränderung der politischen Machtverhältnisse in Europa bereits andeutete, stehen seit dem vergangenen Wochenende die Wahlergebnisse in Griechenland und Frankreich im Zentrum des Marktgeschehens. Die Stabilität der europäischen Finanzlage ist seither wieder unsicherer geworden. Die Wahlergebnisse zeigen die klare Haltung der Wähler gegen den eingeschlagenen Sparkurs. Die entscheidende Frage bleibt, ob als Alternative die geordnete Konjunkturbelebung über strategische Ausgabenprogramme gefragt sind, oder man der berauschenden Wirkung des „Lebens auf Pump“ erliegt.
Solange diese offene Frage im Raum steht, wird die Suche nach Sicherheit an den Märkten anhalten. Zugleich nimmt aber auch der Druck auf den Euro zu. Anleger fliehen aus dem hiesigen Währungsraum und suchen hierbei den US-Dollar. Für den Goldpreis bedeutet dies eine kurzfristige Belastung, da das Edelmetall kaum bis negativ mit dem Greenback korreliert ist. Gleichzeitig geht auch die Rendite deutscher Bundesanleihen auf neue Tiefststände zurück. Zeitweise wurden nur noch 1,56% Rendite p.a. erzielt.
Neue politische Ausrichtung in Europa
Betrachtet man indes die vergangenen Wahlen im Detail fällt auf, dass in Frankreich ein neuer Umgang mit der Krise gewählt wurde. Im Vergleich zu Sarkozy, welcher zusammen mit Angela Merkel das Sparen in den Vordergrund stellte, vertritt der neue Präsident Hollande die Ansicht, dass Konjunkturprogramme über gesteigerte Staatsausgaben den richtigen Lösungsansatz darstellen. Inwieweit ein solcher Richtungswechsel im Umfang der Wahlversprechen umgesetzt werden kann bleibt offen. Erste Ergebnisse dürften erst nach Verhandlungen der kommenden Wochen abgeleitet werden können.
In Griechenland ist die Situation bei weitem schwieriger einzuschätzen. Die ehemals großen Regierungsparteien wurden bei der Wahl abgestraft. Stattdessen erzielen radikale Parteien Rekordergebnisse. Es scheint beinahe unmöglich aus der neuen Konstellation eine Regierung zu bilden. Zumindest werden große Kompromisse eingegangen werden müssen, welche die für weitere finanzielle Unterstützung geforderten Sparmaßnahmen erschweren. Somit stehen bei ersten Beobachtern auch wieder ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone und eine Rückkehr zur Drachme auf der Tagesordnung. Sollte es hierzu kommen, wären alle bisherigen Bemühungen zur Rettung der gesamten europäischen Währungsunion vergebens gewesen.
Fazit: Auch wenn der Goldpreis als Hort der Sicherheit bisher nicht profitieren konnte, ist mit kommenden Preissteigerungen zu rechnen. Wenn sich die ersten Reaktionen über den Devisenmarkt normalisiert haben, werden Anleger auch das Edelmetall wieder nachfragen, wobei, wie in den vergangenen Wochen auch, erwähnt werden muss, dass gerade die physische Nachfrage weiter in starkem Maße vorhanden ist. Potential könnte auch die Aussicht auf weitere geldpolitische Maßnahmen bieten. EZB-Präsident Draghi hat in einer Pressekonferenz erneut von erhöhter konjunktureller Unsicherheit gesprochen, wodurch weitere Maßnahmen möglich werden.




