Der Goldpreis kann seit Jahresbeginn wieder Fahrt aufnehmen und auch die europäische Schuldenkrise ist nach der verlängerten Weihnachtspause wieder zurück im Zentrum des Interesses. In den ersten beiden Januarwochen gelang dem Goldpreis auf Euro-Basis ein Zuwachs von 7,4%.
Bereits investierte Goldkäufer aus der Eurozone profitieren mit ihrer Anlage derzeit nicht nur aufgrund steigender Notierungen des Edelmetalls, sondern auch von einem anhaltenden Erstarken des US-Dollars bzw. der Schwäche des Euros infolge einer sich ausweitenden Staatsschuldenkrise. Im gestrigen Nachmittagsfixing lag die Preisfeststellung bei 1.295,08 EUR und damit lediglich rund 5% unter der Rekordmarke vom vergangenen September.
Kaum noch Top-Schuldner in Europa
Für Europa gab es direkt einen Doppelschlag von Seiten der Ratingagentur Standard & Poor’s. Am vergangenen Freitag stufte S&P gleich neun europäische Staaten herab. Darunter befand sich mit Frankreich auch die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion und damit auch der zweitgrößte Garantiegeber für den Europäischen Rettungsfonds (ESFS). Frankreichs Bonität verliert die Topnote AAA und liegt nun eine Bewertungsstufe niedriger bei AA+. Ebenso ereilte es den bisherigen Top-Schuldner Österreich. Zuvor schon nicht mit der Bestnote versehen und um eine Stufe herab ging es für Malta, die Slowakei und Slowenien. Sogar zwei Stufen schwächer beurteilt werden Italien, Spanien, Portugal und Zypern.
Als Begründung für diesen Schritt nennt S&P ungenügende politische Bemühungen der entsprechenden Regierungen zur Lösung der Schuldenproblematik. Deutschland behält indes seine Bestnote (AAA) durch S&P, genauso wie Finnland und die Niederlande. Gestern folgte dann der zweite Streich in Form einer Abwertung der Bonität des ESFS. Unter Berücksichtigung der zuvor erfolgten Schritte war dies jedoch nur die logische Konsequenz. Wenn ein Großteil der Mitglieder Bonitätsherabstufungen hinnehmen muss und mit Frankreich der zweitgrößte Kapitalgeber in der Einschätzung seiner Zahlungsfähigkeit Einbußen erleidet, kann auch der gemeinschaftliche Rettungsfonds nicht das Top-Rating behalten. Die kommende Kreditaufnahme dürfte sich nun nicht nur für die betroffenen Einzelstaaten, sondern auch für den ESFS erhöhen.
Fazit: Es ist sicherlich davon auszugehen, dass die Herabstufung von Euro-Mitgliedsstaaten erwartet wurde und in den Preisen von Devisen und auch Gold bereits teilweise eingepreist war. Darüber hinaus belassen weitere Ratingagenturen ihre Bonitätseinschätzung unverändert und versichern auch Frankreich vorerst weiter das begehrte „Triple A“. Allerdings kann der Schritt von S&P zum Downgrade von gleich neun Staaten schon überraschend und es zeigt vor allem, dass weitere politische Anstrengungen zur Krisenbewältigung dringend erforderlich sind. Gold als alternative Anlagewährung wird daher weiterhin attraktiv bleiben. Beobachtet werden muss hierbei der Einfluss von Währungsschwankungen.
Auch aus dem Nahen Osten kommt Unterstützung für das Edelmetall. Die Querelen mit dem Iran lassen die geopolitischen Unsicherheiten in der Region weiter Ansteigen und Kapital in die Krisenwährung Gold fließen. Gold scheint aus diesen Gründen daher auch auf dem aktuellen Niveau noch günstig bewertet und könnte weitere Kurssprünge verzeichnen. Idealerweise teilt man geplante Anlagebeträge in verschiedene Tranchen auf, um so einen attraktiven Durchschnittskurs zu realisieren.




