Nach langer Zeit stand in den vergangenen sieben Tagen einmal nicht ausschließlich die Politik samt Lösungsversuchen zur europäischen Schuldenkrise im Zentrum des Marktinteresses. Die bedeutendsten Impulse gingen von den weltweiten Notenbanken aus.
Vorrangiges Ziel einer gemeinsamen Aktion ist die Bereitstellung von USD-Liquidität. Zur Krisenbekämpfung haben sich hierfür die Nationalbanken der USA, der Eurozone, Japans, Englands, Kanadas und der Schweiz zusammengetan. Durch die Senkung des Zinssatzes von Dollar-Swaps soll eine verbesserte Versorgung von Banken aus der Eurozone mit der US-Währung erzielt werden. Für europäische Kreditinstitute wurde es zuletzt immer schwieriger sich US-Dollar zu beschaffen, da kaum mehr europäische Staatsanleihen als Sicherheit akzeptiert wurden. In der Folge zog der Goldpreis innerhalb kurzer Zeit deutlich nach oben, da diese Maßnahme einer weiteren deutlichen Geldmengenausweitung gleichkommt.
Auch in China ist eine Abkehr von der restriktiven Geldpolitik erkennbar. Das Reich der Mitte hat beinahe zeitgleich mit der konzertierten Notenbankaktion zur US-Dollar Liquidität die Mindesteinlageanforderungen für die eigenen Banken reduziert. Nachdem diese seit rund drei Jahren kontinuierlich nach oben gesetzt worden waren, wächst durch das neue Verhalten die Sorge um ein abflachen der chinesischen Konjunktur, welche lange als Motor der Weltwirtschaft in der aktuellen Krise galt. Zudem erleichtert es die einheimische Kapitalaufnahme und auch in China könnten Inflationstendenzen wieder Oberhand gewinnen.
Für den Euroraum steht am Donnerstag dieser Woche mit der EZB-Notenbanksitzung eine weitere Zinsentscheidung an. Eine erneute Senkung um 0,25% auf 1,00% würde für die Märkte keine große Überraschung darstellen und so liegt größere Spannung auf dem Kommentar vom noch jungen EZB-Präsidenten Draghi zum weiteren Vorgehen der Notenbank.
Haben Merkel und Sarkozy die Lösung?
Dennoch verlieren natürlich die wiederkehrenden EU-Gipfel durch die zahlreichen Einflüsse der Notenbanken nicht vollends an Bedeutung. Der nächste Termin ist für den 8. und 9. Dezember angesetzt. Hier wird die Vorstellung eines umfassenden Lösungsansatzes erwartet, welchen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in den letzten Tagen ausgearbeitet haben. Wichtigster Aspekt ist das Vorantreiben zur Entwicklung einer europäischen Wirtschaftsregierung. Hier werden von Beobachtern große Sprünge erwartet, was jedoch auch wieder die Gefahr von großen Enttäuschungen weckt, wie bereits häufiger auf EU-Gipfeln erlebt.
Öl ins Feuer gegossen haben auch wieder einmal die Ratingagenturen, diesmal allen voran Standard & Poor’s. Dort sieht man inzwischen auch die Bonität möglicher Retter des Euro in Gefahr. S&P kündigte an die Bonität aller Eurozonenmitglieder prüfen zu wollen und setzte zugleich den Ausblick für Deutschland und 14 weitere Nationen auf negativ. Dies bedeutet, dass innerhalb der nächsten 90 Tage eine Herabstufung folgen kann.
Fazit: Sollte es tatsächlich zu einer Herabstufung von vermeintlich soliden Eurostaaten kommen, bedeutet dies einen weiteren Tiefpunkt in der Krise. Dann könnten auch auf Deutschland & Co. Finanzierungsschwierigkeiten zukommen, welche mit höheren Renditen zu bezahlen wären. In der Folge müsste die Notenbank ihre bereits massiven Markteingriffe intensivieren – die Notenpresse bliebe der letzte Ausweg. Gold ist und bleibt in Zeiten der Unsicherheit erste Wahl. Deutlich wird dies einmal mehr an der hohen Nachfrage privater Investoren, wie auch in den Bestandsdaten des SPDR Gold Shares, dem größten Indexfonds auf Gold abzulesen ist. Dessen Bestände stehen inzwischen unmittelbar vor Erreichen der alten Höchstmarken aus dem Juni 2010.




