Platin und Palladium zählen nach wie vor zu den in erster Linie industriell genutzten Edelmetallen. Dennoch hat auch hier das Interesse von Investoren in den letzten Jahren stark zugenommen. Hierzu beigetragen haben insbesondere ETFs als neue Anlagemöglichkeit sowie die Kursentwicklung der beiden Metalle. Die beeindruckende Performance lag im Jahr 2010 bei 21% für Platin und bei 97% für Palladium. In Euro lag die Rendite sogar noch etwas höher. Platin erzielte 2010 in der europäischen Einheitswährung eine Rendite von 30% und Palladium legte im vergangenen Jahr um 115% zu.
Automobilindustrie als Hauptnachfrager
Trotz des gestiegenen Interesses der Finanzindustrie dominiert die industrielle Nachfrage den Bedarf beider Metalle. Die größte Bedeutung nimmt hierbei die Automobilbranche mit dem Katalysatorenbau ein. Johnson Matthey schätzt die Nachfrage des Automobilsektors nach Platin für 2010 auf 33% der Gesamtnachfrage des Metalls. Für Palladium gehen die Experten sogar von 53 Prozent an der Gesamtnachfrage aus. Obwohl beide Edelmetalle für den Bau von Katalysatoren verwendet werden, ergibt sich eine essentielle Unterscheidung: Platin findet in erster Linie in Dieselmotoren Verwendung, wohingegen Palladium in Ottomotoren zum Einsatz kommt.
Genau diese Unterscheidung im Verwendungszweck ist, unter Betrachtung des internationalen Absatzes von Personenkraftwagen, von besonderer Bedeutung. Während die Autoverkäufe in den USA und Europa stagnieren, stellt der chinesische Markt für Automobile derzeit einen Wachstumsmotor dar. Da chinesische Autokäufer bevorzugt auf Ottomotoren zurück greifen, wurde Palladium weniger stark von der Konjunkturflaute der vergangenen drei Jahre belastet. 2010 konnte die Nachfrage sogar leicht zulegen, wohingegen der Platinbedarf nach einem starken Einbruch weiterhin unterhalb des Niveaus von 2007 liegt. Diese Situation zeigt sich auch in der Preisentwicklung und erklärt den Performancevorsprung von Palladium gegenüber Platin im vergangenen Jahr.
Zunehmendes Investoreninteresse an Platin und Palladium
Durch die starke Kursentwicklung der beiden Edelmetalle wurde das Interesse von Anlegern geweckt und zusätzliche Gelder flossen in den Markt. So fielen auch die Rekordbestände der Palladium ETFs in den ersten Dezembertagen des vergangenen Jahres zusammen mit den Kurshöchstständen. Neben indirekten Anlagen über Finanzprodukte sind auch direkte physische Anlagen in Platin und Palladium möglich. Im Gegensatz zu Silber und Gold, bei denen neben Barren auch Münzen eine bedeutende Anlagealternative darstellen. beschränken sich physische Anlagen der Weißmetalle Platin und Palladium vorrangig auf den Bereich der Barren. Münzen sind hier selten und werden bevorzugt von Sammlern erworben. Wie auch bei Silberbarren werden beim Kauf von physischem Platin und Palladium 19% Mehrwertsteuer fällig. Eine Reduzierung wie bei Silbermünzen oder eine Befreiung wie bei Gold existiert nicht.
Angebotsstruktur bietet Preispotenzial
Auf der Angebotsseite sind sowohl bei Platin als auch bei Palladium monopolartige Strukturen vorherrschend. So ist Südafrika für 77% der Platinproduktion verantwortlich, weitere 13% stammen aus Russland. Zur Palladiumproduktion steuert Russland einen Anteil von 56% bei, Südafrika liefert weitere 37%. Die Dominanz der beiden Länder stellt einen entscheidenden Einflussfaktor für die Preisentwicklung dar. Sollte es zu Lieferschwierigkeiten in einem der Hauptanbieterländer kommen, führt dies zu einer massiven Angebotsverknappung und könnte den Preis auch kurzfristig nach oben treiben. Gerade aus Südafrika kommen in diesem Zusammenhang, aufgrund maroder Infrastruktur und veralteter Minen, immer wieder Meldungen über Produktionsschwierigkeiten über den Nachrichtenticker.




