Marktreport Erstellt am  9. Januar 2026
Gold bleibt auf Rekordkurs
Genau zwei Tage vor dem Ende eines außergewöhnlich erfolgreichen Jahres geriet die Goldrallye ein wenig ins Straucheln – zumindest kurzfristig
Am 29. Dezember büßte der Goldpreis rund vier Prozent an Wert ein, nachdem er am zweiten Weihnachtsfeiertag mit etwa 4.550 Dollar je Feinunze ein neues Rekordhoch erreicht hatte. Zum Jahresausklang notierte der Kurs des Edelmetalls bei rund 4.318 Dollar – was trotz der Korrektur einem Jahresplus von circa 63 Prozent entspricht. Dies war der höchste Jahresgewinn seit 1979, als der Preis um rund 127 Prozent anzog.

Gold erreichte im abgelaufenen Jahr mehr als 50 neue Allzeithochs und erreichte zuletzt erneut Kurse von bis zu 4.494 Dollar je Feinunze. Getragen wurde der Höhenflug unter anderem von wachsenden Sorgen über die globale Staatsverschuldung, geopolitische Risiken sowie zunehmenden Zweifeln am Dollar als verlässlicher Reservewährung.
Dollar verliert an Verlässlichkeit
Trotz des kräftigen Jahresplus ist das Potenzial von Gold offenbar noch nicht ausgeschöpft. Der Markt antizipiert bereits die Herausforderungen, die sich an den internationalen Anleihemärkten abzeichnen. Viele Staaten, allen voran China und zahlreiche Ölstaaten, hatten bislang einen Großteil ihrer Währungsreserven in US-Staatsanleihen investiert – auch in der Erwartung, dass diese Wertpapiere jederzeit liquide und krisensicher bleiben. Diese Sicherheit jedoch nimmt sukzessive ab.

Insbesondere die Zentralbanken von Schwellenländern setzten auf Gold. Staatliche Institutionen haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 1.000 Tonnen pro Jahr gekauft — doppelt so viel wie ihr durchschnittliches Kaufniveau vor 2022. Ihre Bestände sind jetzt wieder auf dem Stand, der zuletzt in den späten 1970er Jahren erreicht wurde.
Gold überholt den Euro als zweitwichtigste Reserveanlage
Hinter den massiven Zukäufen steht zudem der Versuch vieler Länder, das Risiko potenzieller Verluste bei Dollar-Vermögenswerten zu begrenzen. Auch der Euro taugt kaum als Alternative zum Dollar. Schon in den vergangenen Jahren konnte er von der schwindenden Dominanz der US-Währung nicht profitieren. Während der Anteil des Dollars an den weltweiten Devisenreserven (ohne Gold) zwischen 2016 und 2024 von 65,4 auf 54,6 Prozent zurückging, hat die Gemeinschaftswährung als zweitwichtigste Reservewährung seit der Jahrtausendwende strategisch kaum an Bedeutung gewonnen.

Ihr Anteil verharrte nahezu unverändert bei knapp 20 Prozent. Gold hat den Euro damit erstmals seit seiner Einführung als zweitwichtigste globale Reserveanlage der Zentralbanken überholt. Rund 20 Prozent der globalen Reserven waren im vergangenen Jahr Gold, der Euro kam nur auf etwa 16 Prozent. Der Dollar setzte seinen stetigen Rückgang fort und erreichte rund 46 Prozent der weltweiten Reserven.
Gold profitiert als nicht beliebig vermehrbares Gut
Zugleich setzen Anleger darauf, dass die US-Notenbank Fed nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen in 2025 im nächsten Jahr die Zinsen abermals senken wird, und dies bedeutet auch: Rückenwind für renditelose Edelmetalle. Zusätzlich gewinnt der sogenannte Debasement-Trade an Bedeutung: Aus Sorge vor einer schleichenden Entwertung staatlicher Währungen infolge hoher Haushaltsdefizite und steigender Schulden ziehen sich Investoren aus Staatsanleihen und währungsgebundenen Vermögenswerten zurück. Gold profitiert in diesem Umfeld als knappes, nicht beliebig vermehrbares Gut, das als Absicherung gegen Kaufkraftverluste und wachsende Zweifel an der Stabilität des Fiat-Geldsystems dient.

Auch wenn die fundamentalen Rahmenbedingungen für weitere Kursgewinne beim Gold im neuen Jahr sprechen, bleibt der Markt anfällig für zwischenzeitliche Rücksetzer. Laut einer im Dezember veröffentlichten Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), trägt die Goldpreis-Hausse typische Züge einer Blase. Gleichwohl räumt die BIZ, die als „Zentralbank der Zentralbanken“ fungiert, ein, dass ein zunächst irrational wirkender Anstieg durchaus eine rationale Reaktion des Marktes auf veränderte Fundamentaldaten darstellen kann.

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