Marktreport Erstellt am  2. April 2026
Kein Grund zur Panik
Gold ist und bleibt ein sicherer Anlagehafen
Gold verzeichnete in der vorletzten Märzwoche mit einem Minus von rund neun Prozent die schlechteste Wochenperformance seit 25 Jahren. Seit dem Beginn des US-Israelischen Angriffs auf den Iran, als eine Feinunze Gold noch rund 5.417 Dollar kostete, belaufen sich die Verluste inzwischen auf rund 860 Dollar oder 16 Prozent.

Grund zur Panik besteht nun aber nicht. So lässt sich ein Teil dieser Bewegung mit Gewinnmitnahmen erklären. Denn: Um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen, verkauften viele Investoren einen Teil ihrer Goldbestände. Damit sicherten sie Liquidität und stabilisierten ihre Portfolios. Das spiegelt sich auch in den Kapitalströmen wider: Seit Beginn der Kampfhandlungen im Nahen Osten verzeichneten goldgedeckte ETFs Abflüsse in Höhe von etwa 7,9 Milliarden Dollar. Allein der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Shares, verlor in der letzten Märzwoche mehr als 14 Tonnen an Beständen.

Dass Gold in herausfordernden Zeiten überdurchschnittlich an Wert verliert, ist kein neues Phänomen, sondern ein wiederkehrendes Muster, das bereits während der Finanzkrise 2008 und der Corona-Pandemie 2020 zu beobachten war. In beiden Fällen erwies sich ein Verkauf in der Stressphase im Nachhinein als strategischer Fehler, mündeten die anschließenden Erholungsbewegungen doch in neue Allzeithochs.
Anleihemärkte als Taktgeber
Der maßgebliche Treiber der jüngsten Schwäche des Goldpreises liegt auch in der Zinsentwicklung. Anleger fürchten, dass anhaltend hohe Ölpreise auf die Kerninflation durchschlagen könnten – mit der Folge, dass die wichtigsten Notenbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik gezwungen wären. Vor dem Aufflammen der geopolitischen Spannungen prägte die Erwartung sinkender Leitzinsen das Marktbild – inzwischen hat sich dieses Narrativ grundlegend gedreht.

Angaben des Datenanbieters LSEG zufolge haben Händler ihre Erwartungen für eine erste Zinssenkung der US-Notenbank inzwischen von Dezember 2026 auf das kommende Jahr verschoben. Daraufhin gerieten unter anderem auch US-Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite 30-jähriger Treasuries stieg zeitweise auf 5,0 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli des vergangenen Jahres. Auch hierzulande setzte sich der Ausverkauf an den Anleihemärkten fort und trieb die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf bis zu knapp 3,1 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. Für Gold bedeutet das spürbaren Gegenwind, weil das Edelmetall keine laufenden Erträge bietet und steigende Anleiherenditen die Opportunitätskosten erhöhen.
Struktureller Rückenwind bleibt bestehen
Dass auch der Dollar aufwertete, kommt erschwerend hinzu. Hintergrund ist die dominante Rolle der US-Währung im globalen Ölhandel: Steigende Ölpreise erhöhen die Nachfrage nach dem Greenback, da Importeure mehr Devisen benötigen, um ihre Energierechnungen zu begleichen. In der Folge gewinnt der Dollar an Stärke. Und da Gold rund um den Globus fast ausschließlich in Dollar gehandelt wird, verliert das Edelmetall im Zuge eines stärker werdenden Greenbacks für Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum an Attraktivität.

Kurzfristig könnten Gewinnmitnahmen den Goldpreis zwar weiter unter Druck setzen, mittel- bis langfristig bleibt der Ausblick jedoch konstruktiv. Vor dem Hintergrund eines erhöhten Stagflationsrisikos erscheint der jüngste Rückgang der Rohstoffpreise daher als Chance. Das Umfeld stetig steigender Verschuldung schafft perspektivisch die Voraussetzungen für eine Rückkehr zu früheren Höchstständen oder sogar neue Rekorde. Denn die hohe Verschuldung in den wichtigsten Volkswirtschaften dürfte einen deutlichen Anstieg der Realzinsen kaum verkraften, ohne die fiskalische Stabilität zu gefährden.

In einem solchen Umfeld gewinnt Gold als wertstabile, nicht zinstragende Anlage an Attraktivität: Es dient Investoren als Absicherung gegen geldpolitische Unsicherheiten und Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit staatlicher Schulden. In der Vergangenheit hat sich ein solches Muster bereits mehrfach gezeigt. Seine eigentliche Stärke dürfte Gold allerdings erst dann voll entfalten, wenn die erzwungenen Verkäufe dominanter Marktakteure weitgehend abgeschlossen sind.

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