Marktreport Erstellt am  5. März 2026
Krieg - Quo vadis Gold?
Gold zwischen Kriegsprämie und Zinssorgen
Zu Beginn des Iran-Krieges reagierte der Goldpreis mit deutlichen Kursaufschlägen und näherte sich mit bis zu 5.480 Dollar je Feinunze dem Rekordhoch von Ende Januar, das bei 5.600 Dollar lag. Diese Marktreaktion war mehr als typisch. In Phasen erhöhter Unsicherheit neigen Anleger nun mal dazu, ihr Kapital verstärkt in Edelmetalle umzuschichten. Dies bedeutet aber nicht, dass Investoren nun blindlings ihr Vermögen in Gold anlegen. Schließlich kann der Goldkurs auch in Krisenzeiten durchaus korrigieren; zuletzt einige Tage nach dem Beginn der Iran-Eskalation zu beobachten.

Dass Gold nach dem Anstieg ein wenig unter Druck geraten ist, dürfte unter anderem mit den gewichteten inflationären Risiken infolge der deutlich gestiegenen Ölpreise zu erklären sein. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund dieser Inflationsrisiken die Zinssenkungserwartungen – allen voran in den USA – entsprechend zurückgegangen sind.

Hauptauslöser war die Drohung Irans, Öltanker in der Straße von Hormus anzugreifen. Die Meerenge spielt eine zentrale Rolle für die globale Ölversorgung: Rund ein Fünftel des weltweit verschifften Öls passiert diesen strategischen Korridor. In Reaktion darauf stellten Reedereien, Ölkonzerne und Handelshäuser ihre Transporte über die Meerenge vorübergehend ein, was die Ölpreise steigen ließ. Sollte diese Lage länger anhalten, könnte dies die Inflation befeuern.
Mögliche Geldpolitische Straffung als Belastungsfaktor
Insbesondere für die US-Notenbank könnte sich damit der geldpolitische Handlungsspielraum verringern. Sollten die Währungshüter angesichts potenzieller Inflationsrisiken von raschen Zinssenkungen absehen oder einen restriktiveren Kurs beibehalten, würde dies die Erwartungen an eine Lockerung der Geldpolitik dämpfen. Für Gold wirkt ein solches Umfeld in der Regel belastend: Steigende oder längere Zeit hoch bleibende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, da das Metall keine laufenden Erträge abwirft und somit gegenüber zinstragenden Anlagen an relativer Attraktivität verliert.

Die Sorgen vor einem restriktiven geldpolitischen Schwenk der US-Notenbank erklärt wohl auch die jüngste Stärke des Dollars, der zuletzt ein Drei-Monats-Hoch gegenüber dem Euro erreichte. Höhere Zinsen machen die US-Währung für Investoren attraktiver, weil sie dort bessere Erträge erzielen können als in Währungen mit niedrigen Zinsen. Für Gold birgt ein solches Szenario aber zusätzlichen Gegenwind: Ein stärkerer Greenback verteuert das Edelmetall in anderen Währungen – und dämpft so häufig die Nachfrage aus dem Nicht-Dollar-Raum.

Wie stark dieser Mechanismus wirken kann, zeigte sich zuletzt 2022: Der Ausbruch des Ukraine-Krieges ließ die Ölpreise – und in der Folge die Inflation – weltweit kräftig anziehen. Die US-Notenbank reagierte seinerzeit frühzeitig mit einer Serie markanter Zinserhöhungen auf den Inflationsschock. Der daraus resultierende Renditevorsprung gegenüber anderen Währungsräumen führte zu einer deutlichen Aufwertung der US-Währung.
Historische Muster stützen den Goldpreis
Welche Richtung der Goldkurs künftig einschlagen wird, dürfte von mehreren Faktoren bestimmt werden – etwa davon, wie die Notenbanken die aktuellen Risiken einordnen. Betrachten die Zentralbanken den inflationssteigernden Effekt höherer Ölpreise als temporär, wäre dies ein positives Signal für den Goldpreis.

Kritisch wird die Lage hingegen, wenn sich der Energieschock in sogenannte Zweitrundeneffekte übersetzt – also, wenn steigende Energiepreise auf Löhne, Dienstleistungspreise und Inflationserwartungen übergreifen und sich dort verfestigen. In einem solchen Szenario schwindet der geldpolitische Spielraum, und die Toleranzschwelle der Zentralbanken gegenüber erhöhten Teuerungsraten sinkt spürbar. Doch so weit ist es noch lange nicht.

Für Aufwärtspotenzial sprechen hingegen neben der anhaltend hohen Nachfrage seitens der Privatanleger und Notenbanken auch markttechnische Indikatoren. Der historische Kursrutsch Ende Januar ließ den Volatilitätsindikator VIX für Gold zeitweise auf über 38 Punkte schnellen – ein Extremwert, der seit der Finanzkrise 2008 lediglich fünfmal erreicht wurde. In sämtlichen Fällen lag der Goldpreis sechs Monate später höher – eine Erfolgsbilanz von 100 Prozent. Auch nach zwölf Monaten notierte das Edelmetall jedes Mal im Plus. Die durchschnittliche Performance belief sich auf rund 20 Prozent.

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