Marktreport Erstellt am  20. Februar 2026
Silber: Rekordvolatlitiät trifft auf knappen Markt
Edelmetallanleger erlebten im Januar eine beispiellose Berg- und Talfahrt
Insbesondere der Silberpreis zeigte enorm hohe Schwankungen. So folgte dem Allzeithoch von rund 122 Dollar je Feinunze ein Absturz um etwa 40 Prozent in nur zwei Handelstagen. Die Volatilität erreichte im Januar hingegen einen Wert mehr als 140 Prozent – und damit deutlich über dem Höchststand während der Finanzkrise 2008/2009 von 86 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass die Rally im Januar von Nettoabflüssen aus den meisten börsengehandelten Produkten begleitet wurde. Der Rückgang der Bestände gegenüber Ende Dezember belief sich auf rund 46 Millionen Unzen. Von seinem Jahrestief bei rund 70 Dollar hat sich der Silberpreis inzwischen aber wieder auf etwa 76 Dollar je Feinunze erholt. Trotz der Korrektur notiert das Industrie- und Edelmetall damit circa vier Prozent höher als zu Jahresbeginn. Und auch die Stimmung bei den börsengehandelten Produkten hat sich inzwischen wieder gedreht: In den ersten sieben Handelstagen des Februars summierten sich die Zuflüsse auf etwa 19 Millionen Unzen.
Spekulation und Zinsängste lösen Preisrutsch aus
Bei einem so stark gestiegenen Markt – Silber wurde allein im vergangenen Jahr mehr als 150 Prozent teurer – reicht häufig eine Kleinigkeit, um ihn zum Kippen zu bringen, zumal der Silber- im Vergleich zum Goldmarkt recht klein und somit auch deutlich anfälliger für Korrekturen ist.

Ein wesentlicher Treiber der extremen Volatilität ist wohl vor allem in China zu finden. Silber dient vielen Chinesen mangels Alternativen als Anlageoption für unproduktives Kapital. Die Immobilienkrise schleppt sich ins fünfte Jahr, die Performance des Aktienmarkts ist eher ernüchternd, und die Bankzinsen verharren auf historischen Tiefständen. Angetrieben von gehebelten Positionen und verstärkt durch soziale Medien schaukelte sich die Silberspekulation auf – und zwar so sehr, dass der einzige börsengehandelte Silberfonds des Landes, der UBS SDIC Silver Futures Fund, zeitweise mit einem Aufschlag von rund 100 Prozent auf den inneren Wert seiner Bestände notierte.

Dass die Korrektur am 30. Januar einsetzte, dürfte auch mit der Nominierung von Kevin Warsh zum künftigen Präsidenten der US-Notenbank zu erklären sein. Schließlich gilt der Ökonom als Verfechter einer restriktiven Geldpolitik, die das zinslose Silber belasten könnte. Wegen Tageslimits fiel der Markt zunächst „nur“ um 17 Prozent, danach setzte eine Abwärtsspirale ein: Gehebelte Positionen wurden zwangsweise glattgestellt.
Unterversorgung trifft auf zunehmende Industrienachfrage
Die Aufsichtsbehörden hatten zuvor bereits versucht, gegenzusteuern. Die Shanghai Futures Exchange etwa senkte die Positionslimits für Silber-Futures gleich zweimal binnen zehn Tagen, zahlreiche Händler wurden wegen mutmaßlicher Absprachen gesperrt. Auch der Silberfonds wurde mehrfach vom Handel ausgesetzt. Doch die Eingriffe wirkten eher wie Brandbeschleuniger. Gleichzeitig trocknete das physische Angebot aus: Am wichtigsten Edelmetallmarkt in Shenzhen waren Silberbarren zeitweise ausverkauft.

Jenseits der Spekulation sprechen mehrere fundamentale Faktoren künftig für eine erneute Aufwärtsbewegung, sobald sich der Markt beruhigt hat. Denn Silber ist längst nicht mehr nur Krisenmetall, sondern zunehmend Industriemetall: Die Nachfrage aus Solarenergie, Elektromobilität und Elektronik steigt, während das Förderangebot kaum Schritt hält. Gleichzeitig bleiben reale Zinsen niedrig, physische Bestände knapp.

Die Kombination aus anhaltend hoher, teils weiter wachsender Nachfrage und einem stagnierenden bis leicht rückläufigen Minenangebot sorgt für ein spürbares Angebotsdefizit am Silbermarkt. So dürfte 2026 bereits das sechste Jahr in Folge von einer strukturellen Unterversorgung geprägt sein.

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