Marktreport Erstellt am  27. Mai 2026
Wann, wenn nicht jetzt
Weshalb sich nun ein Blick auf Gold lohnen könnte
Das Achterbahnfahrt beim Goldpreis hält an – und die Wahrscheinlichkeit, dass die Volatilität zeitnah kräftig sinken wird, erscheint aktuell nicht allzu hoch. Der Reihe nach. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts hat den Goldpreis zu Wochenbeginn zunächst gestützt und das Edelmetall zeitweise wieder auf 4.570 Dollar je Feinunze steigen lassen. Eine nachhaltige Entspannung im Nahen Osten zeichnet sich jedoch wohl weiterhin nicht ab. Nachdem zwischenzeitlich neue Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte aufgekommen waren, überwog zuletzt erneut die Skepsis der Märkte – der Goldpreis fiel daraufhin wieder unter die Marke von 4.500 Dollar je Feinunze.

Auffällig dabei: Gold wird als klassischer Krisenschutz derzeit weit weniger von geopolitischen Schlagzeilen als vielmehr von den Entwicklungen an den Zins- und Anleihemärkten beeinflusst. Steigende Renditen und die Aussicht auf eine länger restriktive Geldpolitik überlagern aktuell den Safe-Haven-Charakter des Edelmetalls. Für viele Investoren werden festverzinsliche Anlagen mit höheren laufenden Erträgen damit wieder attraktiver.

Zusätzlichen Druck erzeugt das weiterhin hohe Ölpreisniveau. Trotz zwischenzeitlicher Rückgänge verharren die Energiepreise auf einem Niveau, das an den Kapitalmärkten zunehmend Sorgen vor dauerhaft höherer Inflation schürt. Einige Anleger rechnen deshalb wohl verstärkt damit, dass die großen Zentralbanken dem inflationsfördernden Effekt hoher Energiepreise mit einem strafferen geldpolitischen Kurs begegnen könnten. Noch vor der Eskalation im Nahen Osten hatte der Markt für dieses Jahr überwiegend mit Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve gerechnet. Diese Erwartungen wurden inzwischen weitgehend ausgepreist.
Märkte wetten wieder auf Zinserhöhungen
Vereinzelnd werden nun sogar wieder Zinserhöhungen als mögliches Szenario diskutiert. Die Wall Street etwa setzt zunehmend auf mögliche Zinserhöhungen in diesem Jahr, nachdem Kevin Warsh kürzlich die Führung der US-Notenbank von seinem Vorgänger Jerome Powell übernommen hat. An den Terminmärkten rechnen Händler inzwischen bis Ende dieses Jahres mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Parallel dazu haben sich auch die Inflationserwartungen deutlich erhöht. Marktindikatoren signalisieren derzeit, dass Investoren in den kommenden zwölf Monate mit einer Inflationsrate von rund vier Prozent rechnen.

Die veränderten Zinserwartungen setzen zugleich die Anleihemärkte unter Druck. Werden die Zentralbanken – allen voran die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank – restriktiver eingeschätzt, verlieren bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons an Attraktivität. Ihre Kurse fallen, während die Verzinsung neuer beziehungsweise bereits gehandelter Papiere steigt. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe stieg in der vergangenen Woche auf bis zu 5,20 Prozent – und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2023. Auch die Pendants in Japan und Großbritannien rentierten zweitweise so hoch wie zuletzt in den 1990er-Jahren.

Für Gold könnte sich dieses Umfeld zum Belastungsfaktor entwickeln. Da das Edelmetall keine laufenden Erträge bietet, verliert es relativ an Attraktivität, wenn Anleger mit vergleichsweise sicheren Staatsanleihen wieder deutlich höhere Zinsen erzielen können.
Gold bleibt gefragt
Langfristig sprechen die strukturellen Nachfragefaktoren allerdings weiterhin für ein erhöhtes Goldpreisniveau – auch wenn die Schwankungen kurzfristig zunehmen dürften. Neben den anhaltenden Käufen der Zentralbanken bleibt vor allem die globale Investitionsnachfrage der entscheidende Treiber. Vor allem Schwellenländer bauen ihre Goldreserven weiter aus, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.

Zwar bleibt die US-Währung ein zentraler Bestandteil der weltweiten Währungsreserven. Mit Blick auf das erklärte Ziel vieler Emerging Markets, ihre Reservebestände breiter zu diversifizieren, sowie den im historischen Vergleich noch niedrigen Goldanteil in den Zentralbankbilanzen gehen Experten jedoch davon aus, dass die Gold-Kaufwelle noch eine Weile anhalten dürfte.
Gute Gelegenheit
Besonders in China, Indien und anderen asiatischen Märkten zieht die Nachfrage nach physischem Gold, Barren und Münzen weiter an. Gleichzeitig verzeichnen goldgedeckte ETFs wieder spürbare Mittelzuflüsse. Die fundamentalen Rahmenbedingungen für Gold bleiben damit intakt, auch wenn es kurzfristig noch zu früh für die nächste dynamische Aufwärtsbewegung sein könnte. Kurzum: Für Anleger, die ihre Goldposition mittel- oder langfristig erhöhen möchten, bieten sich aktuell womöglich recht attraktive Einstiegskurse.

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