Die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar erweist sich am Goldmarkt bislang als robuste Unterstützung.
Trotz der zuletzt wieder deutlich gestiegenen Ölpreise und der damit verbundenen Inflationssorgen zeigte sich das Edelmetall nicht nur widerstandsfähig, der Goldkurs konnte jüngst sogar wieder zulegen. Ob dies schon der Beginn einer nachhaltigen Trendwende ist, bleibt aber abzuwarten.
US-Geldpolitik im Blick behalten
Zwar fielen zuletzt sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreise niedriger aus als von Ökonomen erwartet. Doch erst wenn sich der Inflationsrückgang in den kommenden Monaten bestätigt, dürften die Sorgen vor einer restriktiveren US-Geldpolitik nachlassen. Andernfalls könnte sich US-Notenbankchef Kevin Warsh zu einem weiterhin restriktiven oder sogar noch strafferen geldpolitischen Kurs veranlasst sehen. In einem solchen Umfeld blieben die Opportunitätskosten einer Goldanlage hoch, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft.
ETF-Nachfrage bleibt robust – trotz jüngster Mittelabflüsse
Die deutliche Abwärtsbewegung seit dem Ende Januar markierten Rekordhoch von knapp 5.500 Dollar je Feinunze hat auch bei physisch besicherten Gold-ETFs Spuren hinterlassen. Im Juni zogen Anleger netto rund 8,9 Milliarden Dollar ab. Die von den börsengehandelten Goldfonds gehaltenen Bestände gingen zugleich um 74 Tonnen auf 4.047 Tonnen zurück. Betroffen waren sämtliche Regionen, wobei Nordamerika die größten Mittelabflüsse verzeichnete.
Für das erste Halbjahr fällt die Bilanz trotz dieser Rückschläge weiterhin positiv aus. Gold-ETFs verzeichneten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weltweit Nettozuflüsse von rund acht Milliarden Dollar. Besonders gefragt waren die passiven Goldanlageprodukte in Asien, wo die Mittelzuflüsse so hoch ausfielen wie nie zuvor in einem ersten Halbjahr. Auch Europa verzeichnete eine robuste Nachfrage, während Nordamerika per Saldo Abflüsse hinnehmen musste.
Beim World Gold Council überwiegt die Zuversicht
Für die zweite Jahreshälfte rechnet der World Gold Council mit einer Stabilisierung der Mittelzuflüsse in Gold-ETFs. Im Basisszenario seines Halbjahresausblicks erwartet der Branchenverband eine insgesamt stabile Entwicklung des Goldpreises, schließt bei veränderten Rahmenbedingungen jedoch auch einen erneuten Ausbruch nach oben nicht aus. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen, unsicheren Konjunkturaussichten und volatilen Finanzmärkte dürfte das Interesse vieler Anleger an Gold als strategische Absicherung des Portfolios bestehen bleiben, so die Analysten.
Auch historische Vergleiche sprechen gegen eine übermäßige Skepsis. Der jüngste Rücksetzer weist Parallelen zur Schwächephase im Jahr 2022 auf, als Russlands Invasion in der Ukraine einen massiven Energieschock auslöste und die globalen Finanzmärkte in Mitleidenschaft zog. In der Folge verbuchte Gold bis in den Oktober hinein sieben Monate in Folge Verluste – die längste Verlustserie seit Beginn der frei handelbaren Goldpreiszeitreihe nach dem Ende des Goldstandards 1971.
Die Korrektur im historischen Kontext
Historisch betrachtet fielen die Rückgänge beim gelben Edelmetall trotz teils kräftiger Schwächeperioden vergleichsweise moderat aus. Seit dem Ende des Goldstandards im Jahr 1971 kam es lediglich zu acht Phasen, in denen der Goldpreis mehr als 20 Prozent unter sein jeweiliges Rekordhoch fiel. Im Durchschnitt betrug der Rückgang rund 36 Prozent. Mit einem aktuellen Minus von rund 25 Prozent gegenüber dem Ende Januar erreichten Allzeithoch bewegt sich die jüngste Korrektur damit bislang im historischen Rahmen.
Auch steigende US-Zinsen haben historisch betrachtet den Goldpreis nicht zwangsläufig unter Druck gesetzt. Eine Auswertung des World Gold Council auf Basis von 44 Zinserhöhungen der US-Notenbank zwischen März 1997 und Juli 2023 zeigt, dass der Goldpreis an Zinserhöhungstagen in mehr als der Hälfte der Fälle sogar positiv überraschte. Entscheidend ist nämlich weniger die Zinserhöhung selbst, sondern wie die Märkte deren Folgen für Wachstum, Inflation, den Dollar und die Finanzstabilität interpretieren.
Auch Saisonalität spricht für Gold
Kurzfristig könnte das Erholungspotenzial zwar begrenzt bleiben; mittel- bis langfristig sprechen jedoch mehrere Faktoren für eine Stabilisierung des Goldpreises. Neben den weiterhin intakten fundamentalen Rahmenbedingungen spricht auch die Saisonalität für den Goldpreis. Die historischen Muster seit 2000 und insbesondere seit 2014 deuten darauf hin, dass sich eine im August beginnende Aufwärtsbewegung bis ins erste Quartal des kommenden Jahres fortsetzen könnte.