Marktreport Erstellt am  10. Juni 2026
Gold (noch) unter Druck – Das Vertrauen bleibt ungebrochen
Die Schwächephase hält noch an
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar hat der Goldpreis rund ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Aktuell notiert das Edelmetall auf einem Niveau, das zuletzt Ende 2025 erreicht wurde. Belastet wird der Kurs derzeit aus mehreren Richtungen, unter anderem aufgrund der geänderten Zinserwartungen. Seit Beginn des Krieges hat sich der Inflationsdruck weltweit verschärft. Zusätzlich nährten überraschend robuste US-Arbeitsmarktdaten die Erwartung, dass die nächste geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank Fed in Richtung einer Zinserhöhung ausfallen könnte. Am 17. Juni steht die erste Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh an.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) könnte angesichts der anhaltend hohen Teuerung auf einen restriktiven Kurs setzen. An den Märkten wurden zeitweise bis zu drei weitere Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten eingepreist. Der Rückgang des Goldpreises ist daher weniger als Vertrauensverlust in das Edelmetall zu verstehen, sondern vielmehr als Reaktion auf das veränderte Zinsumfeld und dem damit einhergehenden Anstieg der Anleiherenditen.
Zinsen und Dollar als Taktgeber
Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen und machen Gold als zinsloses Investment häufig zu schaffen, ohne dessen Rolle als sicherer Hafen grundsätzlich infrage zu stellen. Sollte die US-Notenbank Fed die Zinsen tatsächlich anheben, könnte dies auch den Dollar stärken – was zusätzlichen Gegenwind für den Goldpreis bedeuten könnte, da eine festere US-Währung Edelmetalle für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert.

Ein ähnliches Muster war bereits nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 zu beobachten. Damals trieb die geopolitische Unsicherheit den Goldpreis zunächst auf ein Rekordniveau. Mit der zunehmenden Inflation infolge kräftig gestiegener Energiepreise änderte sich jedoch das Marktumfeld: Die Erwartungen an aggressive Zinserhöhungen ließen die Anleiherenditen steigen und verliehen dem Dollar ordentlich Rückenwind. In der Folge geriet auch Gold wieder unter Druck. Die damalige Entwicklung zeigt: In Phasen hoher Inflation und restriktiver Geldpolitik bestimmen häufig nicht die geopolitischen Risiken, sondern vielmehr die kurzfristigen Entwicklungen an den Zins- und Währungsmärkten die Richtung des Goldpreises.
Gold löst US-Staatsanleihen ab
Grund zur Panik besteht nun aber sicherlich nicht. Wie ungebrochen das Vertrauen in Gold trotz der jüngsten Kursschwäche ist, zeigt ein Blick auf die Reservepolitik der Notenbanken. Erstmals hat das Edelmetall US-Staatsanleihen als zweitgrößte globale Reserveanlage verdrängt. Nach Angaben der EZB entfielen Ende 2025 bereits 27 Prozent der weltweiten Zentralbankreserven auf Gold, nach 20 Prozent im Vorjahr. Der Anteil von US-Staatsanleihen sank hingegen von 25 auf 22 Prozent.
Gold schlägt Aktien in der Anlegergunst
Die wachsende Bedeutung von Gold beschränkt sich dabei nicht nur auf die Tresore der Notenbanken. Wie die einmal jährlich durchgeführte Forsa-Erhebung zeigt, trauen viele Anleger dem Edelmetall auf mittlere Sicht sogar höhere Ertragschancen zu als dem Aktienmarkt. Demnach rechnen mit 60 Prozent der 1.002 Befragten so viele wie nie zuvor mit weiter steigenden Goldpreisen und sehen im Edelmetall auch künftig eine attraktive Anlagechance. Knapp jeder dritte Befragte traut Gold auf Sicht von drei Jahren die höchste Rendite aller abgefragten Anlageklassen zu. 26 Prozent tippten auf Dividendentitel und 17 Prozent auf Fonds.

Dass die Anzahl der Goldbesitzer deutlich zugenommen hat, kommt also nicht von ungefähr. 21 Prozent der Befragten gaben an, Gold oder Silber zu besitzen; im Vorjahr waren es nur 16 Prozent gewesen. Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort: Seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2011 rangiert das Edelmetall durchgehend unter den beiden beliebtesten Anlageformen und führte die Rangliste der Anlegerfavoriten bereits neunmal an. Die aktuelle Erhebung unterstreicht damit einen seit Jahren zu beobachtenden Trend: Gold gilt vielen Anlegern nicht mehr nur als sicherer Hafen in Krisenzeiten, sondern zunehmend auch als attraktive Anlage mit langfristigem Renditepotenzial.

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